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Die
Geschichte der Familie Adersin
Über die Geschichte der nicht adligen
Familie Adersin ist letztlich nichts bekannt. Zwar finden sich im Lieblichen
Feld, wie auch in anderen Regionen Aventuriens Familien, deren Name Adersin
lautet, eine wirkliche Verwandtschaft nachzuweisen ist aber schwierig. Letztlich
verzeichnet das von Felian Adersin angefertigte Stammbuch der Familie allerdings
einige bemerkenswerte Familienmitglieder, die Stammväter der Familie sein
sollen. So beruft man sich auf Hesindigon Adersin, welcher zehnjährig zur Zeit
der Priesterkaiser als Ministrant in den Diensten der Praioskirche stand und ein
feiges Attentat auf den damaligen Pontifex der Kirche verhindert haben soll,
indem er vergifteten Zeremonialwein kurzerhand verschüttete. Auch soll jener
bemerkenswerte Vorfahr einige Jahre später durch beherztes Eingreifen
verhindert haben, dass eine Bande von Amazonen im Handstreich einen Tempel des
Praios eroberte, indem er den Gong des kleinen Tempels so lange und ausdauernd
schlug, bis Ersatz herbei eilte.
Ein weiterer mythischer
Vorfahre, Praioslieb Adersin, soll seinerzeit Rohal als Schreiber begleitet
haben, als dieser loszog, das Reich zu ordnen.
Und Helme Adersin schließlich
soll im Tempel des Praios zu Greifenfurt so lange den Gong geschlagen haben, bis
der Tempel unwideruflich an den Schwarzpelz gefallen war und er selbst
erschlagen im eigenen Blute lag.
Der Niedergang des Ansehens
des Kaiserhauses unter Valpo kostete schließlich auch hier der Familie den
Status, denn für die Misere machte man innerhalb der Machtpyramide von unten
und von oben her zunächst die Beamten verantwortlich, und nur wenige Beamte
behielten ihre Stellung. Darunter war auch Fredos Großvater und zu Zeiten Bardo
und Cellas auch sein Vater Felian Adersin (gestorben 4 Hal).
Was die mütterliche Linie
anbelangt, so ist darüber nichts bekannt, außer der Tatsache, dass Fredos
Mutter Saria ein Jahr lang (44 v. Hal) eine "Ministerin" Kaiser Bardos
war. Mit ihren damals 19 Jahren muss sie aber schon gewusst haben, was Sie
wollte und wie es zu bekommen war, denn sie wurde mit der Baronie Dunkelsfarn
belehnt, die gerade vakant war. Gerüchteweise soll ihr
"Verhandlungsgeschick" mit ausländischen Beamten, ihre
"Sondierungsgespräche" im Ausland und ihre persönlichen
Aufzeichnungen über diese Treffen und nicht zuletzt über das Kaiserhaus ihr
diese Position ermöglicht haben.
Saria und Felian schlossen
den Bund erst 37 v. Hal, obwohl sie sich schon lange kannten, und nachdem Felian,
trotz Sarias Vergangenheit, viele Jahre um sie geworben hatte. Fredos jüngerer
Bruder Frumol wurde 22 v. Hal geboren und lebte bis vor kurzem in Kuslik, wo er
eine Cousine, Losiane Adersin, heiratete, mit der er zehn Kinder hat. Fredo, der
mehrmals verheiratet war, seine Frauen aber, bis auf eine, allesamt im Kindbett
verlor, ist, ganz im Gegensatz zu seinen Vorfahren, nie dem Handel zugeneigt
gewesen. Zwar ist er durchaus imstande, sein Lehen zu seinem Vorteil zu
verwalten, Geld selbst allerdings ist ihm zuwider. Im Laufe seines Lebens hat er
die Eigengüter der Adersiner stark vermehrt, so dass ihm heute große Teile
seines Lehens als Eigendomäne gehören. Er ist ein äußerst strenger, dabei
aber immer gerechter Landesvater gewesen und so sehr sich seine Untertanen auch
ob der harten Knute seiner Regierung beschweren mögen, so sehr schätzen sie
doch die Unerbittlichkeit, mit der er durchgreift. Manch ein Vagabund hat in
Dunkelsfarn für Taten am Baume gehangen, für die er an anderen Orten lediglich
Kerkerhaft erhalten hätte. Derartiges spricht sich herum und so leben die
Bauern Dunkelsfarns ein hartes und doch friedliches Leben.
Vom 3. Efferd bis Mitte
Hesinde 20 Hal stand die Baronie unter der Besetzung der Orks. Die Kämpfe um
den Grafenstein endeten damit, dass beim Beschuß der Burg Fredos letzte Frau
Travine starb. Fredo, der zwar die Burg halten konnte, aber die Kontrolle über
sein Lehen zeitweise verlor, setzte all sein Geschick und Können ein, in
zahlreichen Ausfällen die umliegenden Gegenden zu stärken und dem Schwarzpelz
das Regieren so schwer wie möglich zu machen, indes war dies nur ein Ringen
gegen rinnenden Sand.
Die Besatzungszeit verlief
nicht anders, als anderswo auch, aber seitdem hat sich Fredo noch weiter hinter
seiner Rolle als Lehnsherr zurückgezogen. Der Kontakt zu den Nachbarbaronien
brach fast vollständig ab und es wäre wohl ein alter Griesgram aus ihm
geworden, hätten sein Glaube an den Götterfürsten und die Überzeugung in
seine Aufgabe ihn nicht aufrecht gehalten. Und tatsächlich gelang es ihm, sein
Lehen noch vor dem letzten Rückzug der Orken von den Schwarzpelzen zu befreien.
Seine Säuberung gilt noch heute in den Dörfern Dunkelsfarns als Legendär und
dient der ländlichen Bevölkerung als anregende Gruselerzählung, mit der man
die kleinen Kinder erschreckt und den Größeren die Nacht verleidet. Damals prägte
sich der Zug Fredo Adersins aus, der ihn heute wie ein fleischgewordener Nimbus
umgibt: erbarmungslose Härte und Entschlossenheit im Umgang mit seinen Feinden.
Eigenhändig soll er die Orken erschlagen haben und dies, ohne auch nur ein
einziges mal zum Schwert zu greifen, da, wie er sagte, das Schwert eine Waffe
sei, die der Schwarzpelz nicht verdient.
Mittels einer Sondersteuer
ließ er zeitgleich zum Einsetzen der Wacht am Finsterkamm die alte Zollstation
an der Brücke der Reichsstraße über den Darpat in eine kleine Festung
verwandeln, wobei der Hintergedanke, für die Zeit nach der Bedrohung ein
wichtiges Bollwerk zur Kontrolle des Handels zu besitzen, eine nicht
unwesentliche Rolle spielte. Die Angst der Untertanen vor der neuerlichen Gefahr
und die Vehemenz, mit der Fredo in jener Zeit auftrat, ließ keinen Widerstand
aufkommen.
Nun ist die Zollfeste zwar
keine Festung, die ein echtes Heer aufhalten könnte, aber als klar wurde, dass
der Bethanier die Ogermauer befestigen ließ und zunächst nicht weiter ins Herz
des Reiches vorstoßen würde, änderte Fredo die Pläne soweit ab, dass
immerhin noch ein Bollwerk entstand, mit dem der Zugang von Osten in die
Markgrafschaft auf viele Meilen kontrolliert werden kann und in Bezug auf Zölle
hat Fredo seitdem durchaus eigensüchtige Vorstellungen.
Dennoch, Fredo ruhte sich
nicht in seinem Land aus. Er hob kurzerhand eine 'freiwillige' Landwehrkompanie
aus und führte sie bis zur Befestigung der Ogermauer den Kaiserlichen Truppen
zu. Dabei behielt er aufgrund seiner guten militärischen Ausbildung den Befehl
über seinen Haufen und konnte ihn mit nur unwesentlichen Verlusten in die
Heimat zurück führen. An der dritten Dämonenschlacht nahm er indes nicht
teil, da er seinen Dienst im Zuge der Wacht am Finsterkamm versah.
Fredos Klugheit und
Ausstrahlung haben in den vergangenen Jahren eher zugenommen, aber auch er hat
erkannt, das Satinavs Zahn an ihm kratzt. Seine Kraft und Gewandtheit haben
nachgelassen, doch jetzt, nach Borbarads Fall, gedenkt er, auf dem Felde der
Diplomatie neue Schlachten zu schlagen. Dies zumal, da er innerhalb der eigenen
Familie immer noch keinen Erben gefunden hat, welcher den hohen Ansprüchen, die
er an sich selbst und seine Familie stellt, genügen könnten. Die eigenen
Kinder jedenfalls (teils an andere Barone verheiratet, teils in den eigenen
Vogteien eingesetzt), hat er nach sorgfältiger Prüfung persönlich aus der
Nachfolge ausgeschlossen und so verwundert es nicht, dass er die mittlerweile
zum teil flügge gewordenen Enkel mit aufmerksamem Blick beobachtet, ein
Umstand, der seine Nähe für alle Anverwandten kaum erträglich macht.
Das Alter hat letztlich
seine Spuren hinterlassen. Die Härte und Starrköpfigkeit, mit der er seine
Ansprüche an seine Umwelt durchsetzt, waren nie so heftig, gleichwohl seine
Gerechtigkeit darunter nie gelitten hat. Er ist immer bereit, eine Schuld
einzugestehen, indes konnte man ihm kaum eine solche nachweisen.
Politisch hat er ebenfalls
seine Linie verfestigt. Seine Mitwirkung bei der Gründung der Pulethaner kommt
nicht von ungefähr, spiegelt sich in allen seinen Handlungen doch die Überzeugung
der Mühlinger wider, dass die Praiosgegebene Hierarchie durch nichts und
niemanden gestürzt werden kann und darf und, so dies doch versucht wird, ein
solcher Versuch im Keim zu ersticken und großflächig zu ahnden ist.
Bauern in Fredos Lehen tun
gut daran, die ihnen gegebene Rolle samt den damit einhergehenden Pflichten auf
das Genaueste einzuhalten. Die überall errichteten Galgen künden davon ebenso
ihr Lied wie die in Dunkelsfarn geltenden Regeln
und Gesetze. Gnade Hesinde dem Magier, der seinen Fuß auf Dunkelsfarner
Boden setzt. Er wird eine einzige, sehr höfliche Aufforderung erhalten, sich
binnen eines Tages auf die jenseitige Grenze der Baronie zu begeben. Die zweite
Aufforderung wird die zum letzten Gebet sein.
DD und VW
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