Sport und Spiel

Das Imman erfreut sich in Greifenfurt nicht solch breiter Beliebtheit wie in anderen Provinzen, was zu einem Gutteil daran liegt, daß es im Land kaum ein ausreichend großes, ebenes Feld gibt, das als Spielfeld zur Verfügung stünde, zieht man es doch vor, solche Flächen als Acker zu verwenden.  

Eine Ausnahme bietet die Hauptstadt, doch haben seit der Besetzung durch die Orken dort keine Spiele mehr stattgefunden. In den Orkzügen haben ¾ der Spieler von Adler Greifenfurt ihr Leben oder ihre Gesundheit gelassen, bis zum heutigen Tag ist keine neue Mannschaft aufgestellt worden. Zumal das Spielfeld lange Zeit als Lager für die aus ihren Häusern vertriebenen Landleute diente, heute hat man dort flüchtigen Tobriern ein Quartier bereitet.

Ganz versessen sind die Leute auf Pferde- und Hunderennen. Manch einer hat schon Hab und Gut bei diesem Kurzweil verspielt oder gewonnen, je nach Phexens Gnade. Wiewohl es vornehmlich dem Adel (bzw. dem Geldadel) vorbehalten ist, Rösser und Hunde zu unterhalten, die für die Rennen taugen, bieten die Wettkämpfe den Bürgern doch ein willkommenes Spektakel. So feierte man bis zur Besetzung in jedem Jahr im RAH den „Zwölfgöttergefälligen Wettstreit“, zu dessen Höhepunkt die berühmten Hunderennen, aber auch ein ritterliches Turnier, sowie allerlei Volksbelustigungen und eine Warenmesse gehörten.

Rennhunde sind im Mittelreich eine Greifenfurter Besonderheit. Rassen wie der Finsterkammer Wolfshatzer, ein hochbeiniger Hund mit lockigem Haarkleid von meist brauner oder braun-weißer  Färbung, der Hirschhund, ein schlanker, eleganter Hetzhund mit sehr kurzem Fell in allen Färbungen, und  der Hasenhund, der kleinere Bruder des Hirschhundes,  liefern sich packende Hatzen. Anders als im Lieblichen Feld werden diese Hunde nicht allein für Rennen, sondern auch für die Jagd genutzt, kein Baron könnte sich einen nutzlosen Fresser in seinem Hause leisten, was darin resultiert, daß sie im Vergleich zu ihren hochgezüchteten Vettern im Horasreich deutlich schwerer, dafür aber auch weit robuster sind. Einigen Wirbel machte es denn auch, als im vergangenen Jahr, als die Rennen zum ersten Mal seit dem Krieg wieder stattfanden, Baronin Yadvige von Hasenfeld mit einem Siebenwindhund aus dem LF erschien, war ihre Zucht doch seit dem Überfall der Schwarzpelze so dezimiert worden, daß sie keinen aussichtsreichen Läufer aus eigenem Zwinger vorweisen konnte. Das Leichtgewicht aus dem Süden ließ die heimischen Favoriten mit Leichtigkeit hinter sich, die Baronin konnte darüber dennoch nicht recht freuen, denn kaum hatte das Tier den Hasen erbeutet, da stürzten sich die Kontrahenten schon auf es, ihm die Beute zu entreißen. Bei dem Gerangel wurde das Windspiel übel verletzt, denn anders als im Lieblichen Feld tragen die Hunde zu Greifenfurt beim Rennen keine Maulkörbe, Balgereien um die Beute gehören dazu. Frau Baronin konnte zwar die Siegprämie nach Hause tragen, ihren Hund jedoch auch, weitere Rennen würde er sicher nicht bestreiten ...

Hippodrome wie in den großen Städten kennt man nicht, bei Pferderennen geht es querfeldein, über Stock und Stein. Wagenrennen werden kaum abgehalten, als Ausnahme sei das große Donnersturmrennen genannt, dessen Kurs beim letzten Mal auch Greifenfurt querte.

Ein beliebtes Vergnügen beim einfachen Volke sind die Hahnenkämpfe, die in den Hinterhöfen Greifenfurts und auf den Dorfplätzen ausgetragen werden. Immerhin ist so ein Tier auch weit eher erschwinglich als ein Rennhund, von einem Roß ganz zu schweigen. Sieger im Kampf ist der Hahn, der den Kampfplatz behaupten konnte. Dabei ist es verpönt, den Tieren künstliche Sporen anzulegen, wie man es beispielsweise in Al’Anfa tut. Der Besitzer eines Siegerhahns ist in seinem Flecken hoch angesehen, zumal, wenn sein Hahn, die Ehre seines Dorfes im Kampf gegen den Champion des Nachbarweilers verteidigt. Spottmäuler behaupten gar, die Greifenfurter seien auf Hahnenkämpfe so versessen, daß manchem der Hahn viel eher das Wappentier seines Landes sei, als der Greif.

Des Praiostags nach dem Götterdienst, wenn Muße in den Weilern Einzug hält, treffen sich die Männer und Frauen auf den Wegen, um einem Vergnügen nachzugehen, das man Bollern nennt. Hierzu müssen schwere Holzkugeln möglichst nah an eine Markierung geworfen werden. Kugeln der gegnerischen Mannschaft (zumeist aus dem Nachbarweiler) dürfen weggekegelt werden, was nicht selten zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Kontrahenten führt.

Doch auch bei den Vergnügungen vergißt man nicht, daß man in einem von Feinden bedrohten Lande lebt: So zählt das Bogenschießen  mit kurzen Bögen geradezu zur Bürgerpflicht, ebenso wie die Spießübungen, die abgehalten werden, wann immer es die Arbeit auf den Feldern und in den Ställen es zuläßt. Mancherorts - d.h, in größeren Weilern - haben sich die Bürger gar mit Billigung der Barone zu Wehrgilden zusammengeschlossen, wo man die Verteidigung des eigenen Landes wacker probt.  

Der Adel hingegen hält es mit der Jagd auf Hirsch, Wildschwein und anderes Wild. Auch wenn hier weit öfter eine leere Speisekammer die Burgherrin bewegen mag, jagen zu gehen, als die schiere Jagdlust.

Neben der sehr beliebten Hatz mit Hunden und der traditionellen Saujagd mit Treibern und Spießen ist die Falkenbeiz’ verbreitet, brüten in den Schluchten des Finsterkammes doch auch Schnee- und Blaufalken, begehrtes Statussymbol des Adels.

Auch das Turnieren hat eine lange Tradition, ähnlich wie in Weiden. Hier, am Rande der Zivilisation, gilt es allzeit sich zu beweisen, daß die Ritter des Landes wehr- und waffenfähig sind. So haben Ringstechen, Schwertkampf, Buhurt und Lanzengang einen weit ernsteren Charakter, als lediglich den eitler Wettkämpfe um die Krone des Turnierkönigs.

MS